Der Inasche Ampellauf
Oktober 20th, 2009
Ist der Mensch nicht ein erstaunliches Wesen?
Ein gutes Beispiel, an der ich die Besonderheit dieses verkümmerten Affen aufklären möchte:
Der Ampellauf: Vielleicht ist euch folgendes Phänomen schon einmal untergekommen. Ich habe heute über den von mir genannten „Inaschen Ampellauf“ (Mein Name wird in die Geschichte eingehen wuahahaha) ausführliche Studien betrieben. Meine Studienobjekte waren:
im Allgemeinen: ein Haufen Aachener
im Besonderen: eine Gruppe männlicher Jugendlicher im HipHop-Style; ein geschäftig umherblickender Mann mittleren Alters; ein junges Mädchen und ein verliebt Schweiß und Spucke austauschendes Pärchen
Die besagten Beobachtungsobjekte wurden im gezielten Versuchsumfeld gesichtet und nach möglicher Vielfalt an Beinlängen, Schuhgrößen und Enge/Weite der Kleidung ausgewählt. Alle diese Faktoren schienen mir von größter Bedeutung.
All diese Personen gehen mit durchschnittlich 4 km/h auf die Ampel zu (das Pärchen langsamer, der Mittel-Mann schneller), und nun tritt das eingreifende Phänomen ein: Die Ampel schaltet auf rot
Hier schon die erste Gemeinsamkeit: Die Gesichtsausdrücke werden finsterer, doch unserer Versuchsobjekte bleiben brav und suchen sich eine Beschäftigung. Sei es reden, wichtig umherblicken, seine Füße betrachten oder die Augen seiner Begleitung.
Wirklich interessant wird es, wenn die Autoampel auf Orange springt. Alle unsere Versuchsobjekte zeigen eine merkliche Veränderung, Gespräche werden abgebrochen. Die vorne stehenden stellen sich möglichst weit an die Kante des Bordsteins. Und auch die weiter zurück stehenden beginnen, sich auf eine gute Startposition zu drängen. Die Menge an Menschen wird zu einem immer kleineren, dichter gedrängten Streifen. Die Formel, die diesen Verlauf ausdrückt, habe ich als f(x)= 1/2*x+s bestimmt, wobei f(x) die Breite des Wartendenstreifens, x die Zeit, und s die Anfangsausbreitung ist.
Niemand begibt sich vor dem herbeigesehnten Zeichen auf die Straße, aber jedes kleine Stück Weg, dass man schon zurücklegen kann, wird beansprucht. Ungeachtet ihres vorher zu beobachteten Verhaltens folgt jede unserer Versuchsfiguren genau diesem scheinbar triebhaft bedingten Drängen, eine zumindest um ein paar Zentimeter bessere Startposition als seine Mitmenschen zu erarbeiten.
Wenn es nun schließlich Grün wird, entspannen sich unsere Versuchspersonen wieder. Die Hip-Hopper beginnen wieder cool zu sein, der geschäftlich wirkende Mann rückt seine Krawatte zurecht und fällt in seinen alten selbstbewussten Schritt und das Pärchen geht langsam Blicke tauschend weiter.
Auslegung: Ich habe meinen Versuch sorgfältig mit schon veröffentlichten anderen Studien der Psychologie verglichen, und bin zu folgendem Ergebnis gekommen. Die grüne Ampel wird von einem Teil des menschlichen Gehirns als Mutter bzw. Vater personifiziert, die/der das erwachsen gewordene Kind für das moralisch richtige Verhalten (an einer roten Ampel warten) belohnt. Auf Grund des Ödipus-Komplexes, wird diese Belohnung mit Sexualität gleichgesetzt. Da aber nun jeder Mensch einen Sexualtrieb hat, möchte er/sie möglichst Stärke demonstrieren, und versucht dies indem er/sie die erste Position unter all diesen Menschen einzunehmen versucht.
Wenn die Ampel nun auf Grün springt, merkt das Gehirn welch fataler Irrtum die ganze Geschichte doch war, das die vermeintliche Mutter, oder der vermeintliche Vater nämlich bloß eine Ampel ist. Deshalb schickt es den Menschen schnell wieder in seine normalen Verhaltensweisen zurück und lässt ihn seine Gedanken vergessen.
Oktober 20th, 2009 um 22:59:00
Wenn eine Ampel mit Sexualität in Verbindung gebracht wird, denke ich eher an ein Phallus-Symbol als an einen Vater. Und der Moment der Anspannung, ehe ganz oben was passiert, um danach wieder in den üblichen Trott überzugehen, ist auch leicht falsch zu interpretieren…
Bestimmt willst du uns nur versaute Gedanken eintrichtern! Schäme dich!
Oktober 24th, 2009 um 14:35:33
Laut dem Freud’schen Modell der menschlichen Psyche ist der Vater als Sexualobjekt besonders unter Frauen vertretbar. Darüber hinaus ist der Vorgang eine Ampel als Phallus-Symbol zu interpretieren nicht besonders weit hergeholt. Besoders wenn man sich einfache Fußgängerampeln betrachtet … oder so.
Oktober 26th, 2009 um 22:35:18
Ich möchte hier einmal herausstellen, wie bemerkenswert diese Studie ist! Sie sucht im Alltag, im täglichen Trott Besonderheiten und deren Begründung. Betrachtet man nun die Studie im Besonderen, so wird mir persönlich klar, dass dieses Phänomen einen tiefen Einblick in das Leben des Menschen gibt, dem ich es ncht zugetraut hätte:
Jedoch muss ich hier schon einen Einschnitt vornehmen und mich klar von der Begründung, dem (ich nenne es) “Eltern-Komplex”, distanzieren.
Ich sehe hier drin vielmehr Differenzierungsmöglichkeit der unterbewussten Verhaltensweisen verschiedener Individuen.
So würde ich es sehen, dass tief im Menschen Reaktionen verwurzelt sind die sich je nach Individuen verschiedenartig und verschieden stark ausprägen, je nach Entwicklung und Umfeld.
Da ich aber morgen GEschichte schreibe, werde ich den Kommentar hier unterbrechen und morgen oder so weiterschreiben
LG
Illidan Sturmgrimm
November 19th, 2009 um 22:12:33
Nach Jung – bzw. wenn man es genau nimmt hat er diese Theorie seiner Hysterie-Patientin und später Geliebten Sabina Spielrein geklaut – gäbe es ja noch die Sache mit dem Tode.
Mit der orangenen Ampel deutet sich also nicht unbedingt nur der sexuelle Höhepunkt der grünen Ampel an, sondern auch der Tod … in der kurzen Phase, in der die Ampel rot war, war ein Bewusstsein für das Leben und für die Gegenwart vorhanden, der automatische Gang zum jeweiligen Ziel der Personen war unterbrochen. Mit dem Schalten auf die grüne Ampel wiederum stirbt dieser Zustand und das Bewusstsein für das Leben damit auch und der automatische Gang wird wieder eingenommen.
Da der sexuelle Höhepunkt, auch „kleiner Tod“ genannt, eben mit dem Tod vergleichbar ist, ist auch die sexuelle Symbolik keine falsche Interpretation.
Nur waren die Hip-Hopper, die nun wieder cool sind, für einen kurzen Moment am Leben, ebenso der Mann im Anzug, der nach außen hin keine Fassade des Selbstvertrauens aufbaute und das Paar konnte sich endlich mal miteinander beschäftigen als nur nebeneinander herzugehen. Dies sind also nicht die normalen, sondern die gestörten Verhaltensweisen, die sich aber inzwischen in diesen Menschen enorm etabliert haben.
Da dieser kurze lebendige Zustand für die meisten Menschen fremdartig ist und nicht in ihre antrainierte, vom Über-Ich geprägte Lebenweise passt, ist ihnen die Situation unangenehm, da sie in dem Moment mit einem ihnen fremden Selbst konfrontiert werden, das nicht in ihr übliches Schema passt. Deswegen sind diese Menschen voller Erwartung, dass die Ampel auf grün springt und somit ihre sexuelle Erfüllung und der Tod eintreffen und hoffen diesen Prozess beschleunigen zu können, indem sie sich schon bei orange so nah wie möglich der Straße nähern.
November 27th, 2009 um 16:59:30
Hier scheinen ja alle ziemlich Freud geschädigt zu sein. Es geht nicht immer nur um Sex.
“Ein Huhn geht über die Straße. Warum?”
Hemmingway: “Um zu sterben,… im Regen.”
Denkt da mal drüber nach.