Abenteuerlust

Januar 9th, 2010

Freitag der 8.01.2010

Die Vorlesung endete heute etwas früher, da noch etwas organisatorisches besprochen wurde, mit dem wir zeitig fertig wurden. Auf diese Weise hatte ein Freund von mir, der in Roetgen wohnt die Chance darauf den Bus, welcher um 14:45 am Bushof abfährt zu erwischen. Zu diesem Zeitpunkt war es etwa 14:35 und wir befanden uns in der Ahornstraße 55. Wir warteten innen, da man den Bus von da aus sehen und so bequem einsteigen kann, sobald er hält. Ich hätte eigentlich auf die andere Seite der Haltestelle gemusst, jedoch hatte ich noch etwas Lust auf Gesellschaft und Unterhaltung.
Wir arbeiteten heraus, dass mein Freund, wenn ein günstiger Zug käme, von Westbahnhof zum Hauptbahnhof fahren könnte und da in seinen Bus. Das Risiko war ihm heute zu groß und ich bot ihm an, das mal in Erfahrung zu bringen. Er führe laut seiner Aussage für gewöhnlich mit der 33 bis zum „Audimax“ und würde von dort aus schnellen Schrittes mit gelegentlichen Laufeinlagen bis zur Hauptpost laufen, an der sein Bus erst 7 Minuten nach Abfahrt am Bushof halten würde.
Ich hielt diese These für gewagt, da zwischen den beiden Haltestellen nur noch eine liegt. Aber er schien schon Erfahrung gehabt zu haben.
Da fuhr auf der anderen Seite die 12 vorbei, die ich eigentlich genommen hätte und mir ging auf: “Eigentlich könntest du auch einfach die 12 nehmen und damit direkt zur Hauptpost durchfahren.” Das war für ihn eine ganz neue Eröffnung und er hatte vor, dies das nächste Mal in Erwägung zu ziehen. Irgendwann kam dann auch die 33 und wir stiegen ein. Von einer Haltestelle vor “Westbahnhof” hat man einen Blick auf den Westbahnhof selbst und wir stellten fest, dass da noch einige Leute standen,
jedoch war nicht sicher für welchen Gleis. Wir fuhren also weiter. Die nächste Haltestelle war dann “Audimax” und er wollte aussteigen um seinem Plan nachzugehen von da aus zu “Hauptpost” zu laufen. Ich stellte die Überlegung an, dass man doch auch noch bis “Driescher Gässchen” weiterfahren kann und dann von dort aus loslaufen. Wir hatten leider nicht viel Zeit darüber nachzudenken, als auch schon die Türen wieder schlossen. In der dadurch “gewonnenen Zeit” allerdings haben wir beschlossen, dass das absoluter Quatsch ist und mussten feststellen, dass es bereits 14:45 war, als wir an “Driescher Gässschen” ankamen. Wir blieben also in der 33 und fuhren weiter bis zum “Bushof” und dann “Elisenbrunnen”, an dem wir seinen Bus leider nicht stehen sahen, dafür aber noch Ausschau nach wartetenden Roetgenern, im gehässigen Volksmund auch “Eifelyetis” genannt, hielten. Wir konnten keine bekannten Gesichter ausmachen und mir kam die Idee, dass er ja noch bis “Normaluhr” mit der 33 weiterfahren könnte und da versuchen, seinen Bus zu erwischen. (Die 33 fährt einen anderen/schnelleren Weg dorthin allerdings hält er auch nicht an der richtigen Seite und man müsste noch 1-2 Ampeln überqueren.) Ich selbst hätte eigentlich am Elisenbrunnen aussteigen und einen Bus nehmen können, der mich direkt vor die Haustür fährt. Jedoch hatte mich die Abenteuerlust gepackt und ich wollte wissen, ob er das schafft.
So fuhren wir also weiter bis zu “Normaluhr”. Auf dem Weg dorthin hat mich das rote Anzeigefeld auf dem Display der nebenbei erwähnt recht grantigen Busfahrerin fasziniert, welches „-2“ anzeigte. Ich fragte mich, ob das jetzt bedeutet, dass der Bus zwei Minuten zu früh dran ist, oder zu spät. Ich kam zu dem Schluss, dass es „zu früh“ heißen müsste, da sich die Anzeige auf „-1,5“ änderte, wenn wir standen und sich wieder nach oben korrigierte, wenn wir wieder zügig fuhren. Vielleicht war die Busfahrerin selbst von unseren absurden Plänen ergriffen, was ihren Fuß schwerer werden ließ. Mein Freund sinnierte währenddessen, dass er vielleicht doch lieber von dort aus zu “Rosenquelle” (eine Haltestelle weiter) laufen würde. Ich war Feuer und Flamme von der Idee, stieg mit ihm aus und sah mich im nächsten Moment mit ihm durch den Schnee sprinten. Auf der Gegenüberliegenden Seite der Haltestelle angekommen, die Lungen brennend, der Atem versagend, sahen wir dort Wartende Menschen und dann sahen wir “IHN” – seinen Bus.
Wir hatten es geschafft!
Im Anschluss an dieses atemberaubende Abenteuer bin ich dann per pedes nach Hause (Die Entfernung entsprach etwa der von der Ahornstraße 55 bis zu mir nach Hause) mit einem kurzen Abstecher zum Pennymarkt, in dem ich noch ergänzende Einkäufe tätigen wollte zum anstehenden Schneesturm, was allerdings zunächst mit der Schwierigkeit verbunden war, dass die Einkaufswagen meine Münzen abwiesen und ich letztlich von ein paar tatsächlich nützlichen Lebensmittel abgesehen mir einiges gradezu unsinniges in den Wagen, dann auf das Fließband und dann nach Bezahlung wieder in den Wagen gelegt habe. Möglicherweise noch Auswirkungen des bestandenen Abenteuers.

So long,
omfgcrit

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